Frau S. verbrachte einige Tage im
Krankenhaus. Die Zeitungen (was macht ein nahezu blinder Mensch eigentlich
damit? Ofen anheizen?) wurden dann noch von diversen Betreuern weggeräumt.
Unmittelbar nach ihrer Rückkehr stand sie einmal klopfend und rufend vor unserer
Bürotür. Sie müsse mal dringend ins Krankenhaus gebracht werden, aber dort
würde sie eigentlich nicht mehr behandelt werden, weil der Arzt dies
verweigere. Verwirrung meinerseits beiderseits. Dass ich nicht so
einfach das Büro verlassen könne, verstand sie nicht. Hat sie noch nie. Denn:
welches Büro? Frau S. denkt immer noch, wir würden dort wohnen. Egal. Ich rief
statt der Rettung ihren Betreuer an. Ihr geistiger Zustand war noch nie
schlechter. Sie bot mir Geld. Wofür auch immer.
Seit
Anfang dieser Woche ist sie in Therapie. Danach erhält sie eine 24-Stunden
Betreuung, die nicht mehr von ihrer Seite weicht.
Frau
S., so leid sie mir tut, ist anstrengend. Sie ist für mich keine liebenswerte
Dame. die ich mir als Oma wünschen würde. Ich kenne sie ja auch nicht wirklich,
mich verbindet nichts mit ihr, außer dass sie gegenüber unserem Büro wohnt. Sie
ist für mich einfach eine verwirrte und hilflose alte Frau, die Geduld und Zeit
(er)fordert und die mich unter anderem dazu bringt, irgendwelche Menschen für
sie anzurufen, weil sie das Telefon nicht mehr bedienen kann. Die Sache
mit der gelebten Nächstenliebe ist gar nicht einmal so einfach, ich geb's zu.
Es ist definitiv leichter zu spenden, um sein soziales Gewissen zu beruhigen.
So möchte ich nicht enden. Aber
ich weiß, es könnte noch viel schlimmer kommen.
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