Gefühlte, nein gemessene, 100 Grad im Garten. Frau Katzenklappe sitzt im Schatten und liest versucht zu lesen. Der Nachwuchs des im Haus wohnenden Nachbarn pflegt abends gerne den Garten: Scheibtruhe fahren, trockenes Gras zusammenrechen, Blumen gießen, Unkraut zupfen. Solche Sache. Achja, der Miniaturgärtner zählt zweieinhalb Jahre.
Er bittet mich, die Gießkanne für ihn mit Wasser zu füllen. Macht Frau Katzenklappe doch gerne. Auch beim fünfzehnten Mal noch. Dann plötzlich verschwinde ich um die Hausecke, möchte mich meinem zugeteilten Job als Hilfsgärtnerin entziehen (ja, ich weiß. Aber des Gärtners Mutter ist anwesend, keine Sorge). Ich höre hinter mir ein verzweifeltes "Frau Katzenklappe, FRAU KAAAAHHTZENKLAAAAAPPE!!!! Wo gehst du denn hin?????".
Ich drehe mich um, schaue in zwei unglaublich blaue und noch viel unglaublichere große Augen. Ich erkläre, dass ich jetzt zwecks Nahrungsaufnahme in die Wohnung gehe. Stimmte ja auch. Dem Zwerg -mit grüner Schürze und grünen Crocs - kommen fast die Gucker raus vor lauter Ungläubigkeit. Wie? Essen? Was? Wieso? Wir, du und ich, ich und du, WIR stecken doch mitten in einem Projehekt!, scheint er zu denken. Kurze Stille.
Er zieht seine Minischultern hoch und quietscht mir zum Abschied, schon halb mit dem Rücken zu mir gedreht, mit süssester Entenquakstimme entgegen: "OK dann. Bis zum nächsten Mal. Danke jedenfalls für Alles." Zweieinhalb Jahre alt, sagte ich das schon?
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